Pressemitteilung der UNI Heidelberg vom 02.12.2004
Kursprogramm der Universitätsklinik Heidelberg bereitet werdende Eltern
auf ihre neue Rolle vor
"Je früher desto besser", könnte das Motto des
Heidelberger
Präventionsprogramms "Das Baby verstehen" lauten: Ziel des
Programms ist es, werdenden Eltern zu helfen, eine stabile Beziehung und
eine sichere Bindung zu ihrem neugeborenen Kind aufzubauen, so dass
seelische Störungen gar nicht erst entstehen. Dieses Elternschuleprogramm
wird jetzt deutschlandweit angeboten.
Das Kurskonzept einschließlich Lehrmaterialien wurde in den vergangenen
zwei Jahren am Universitätsklinikum Heidelberg (Abteilung Psychosomatische
Kooperationsforschung und Familientherapie, Ärztlicher Direktor: Prof. Dr.
med. Manfred Cierpka) mit Unterstützung der in Bensheim ansässigen Karl-Kübel-Stiftung
für Kind und Familie entwickelt. Die neuen Kursunterlagen bestehen aus
einem theoretischen Grundlagenbuch, einem Anleitungsheft mit konkreten
Handlungsvorgaben und einer DVD mit zahlreichen Videosequenzen von
Eltern-Kind-Interaktionen, die im Curriculum zur Demonstration verwendet
werden.
"In den letzten sechs Monaten haben wir das Kursprogramm an einzelnen
Standorten erfolgreich getestet und ständig weiterentwickelt. Es wurde
sowohl von den Eltern als auch von den speziell geschulten Hebammen sehr
positiv aufgenommen", erklärte Professor Manfred Cierpka bei einer
Pressekonferenz am 30. November 2004 im Zentrum für Psychosoziale Medizin
der Universitätsklinik Heidelberg. Für den deutschlandweiten Einsatz haben
das Heidelberger Präventionszentrum, das auch das Gewaltpräventionsprogramm
"FAUSTLOS" vertreibt, und die Karl Kübel Stiftung die gemeinnützige
Focus-Familie GmbH gegründet. "Vor und kurz nach einer Geburt sind
Hebammen die wichtigsten Ansprechpartner für die Eltern. Diese Experten
wollen wir erreichen, damit sie stabilisierend auf Familien einwirken können",
sagte Günter Refle von der Karl-Kübel-Stiftung.
Elternkurse beginnen im letzten Monat der Schwangerschaft
"Wir wissen heute, wie entscheidend die frühe Kindheit für die spätere
Entwicklung und auch für die Gesundheit im Erwachsenenalter ist. Wir müssen
die Eltern stark machen, um die Kinder entsprechend zu fördern", sagte
Professor Manfred Cierpka. Deshalb beginnen die Elternkurse bereits im
letzten Monat der Schwangerschaft. Speziell geschulte Hebammen und andere
Experten unterstützen die Eltern, die Signale ihres Babys zu entschlüsseln
und adäquat zu reagieren, damit sich eine stabile Beziehung entwickeln
kann. In den fünf Kurseinheiten (Doppelstunden), an denen zehn bis 14
Personen teilnehmen, steht die Interaktion mit dem Baby im Mittelpunkt.
Videoszenen, die Eltern mit ihrem Baby in der häuslichen Umgebung zeigen,
demonstrieren die wichtigsten Kommunikationssignale im Alltag.
Die Teilnehmer zahlen die Kursgebühr selbst. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten
(z.B. über Sponsoring) werden noch gesucht.
Fachleute, die selbst Elternkurse anbieten möchten, können ein zweitägiges
Expertentraining absolvieren, das mit einem Zertifikat abgeschlossen wird.
Dieses Fortbildungsangebot richtet sich an Experten, die Eltern mit Säuglingen
beraten oder behandeln: Hebammen, Pädiater und Kinderkrankenpfleger, aber
auch Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen.
Ab 2005 sollen die Experten-Fortbildungen möglichst ortsnah stattfinden.
Interessierte Hebammen und Eltern können sich an die gemeinnützige Fokus
Familie wenden, welche den Kontakt zu den Hebammen herstellt. Tel.: 06203 /
957038. Infos über www.focus-familie.de oder info@focus-familie.de
Bisher sind folgenden Trainings-Termine für Experten geplant: 6./7.
Dezember 2004, Odenwaldinstitut in Waldmichelbach; 27./28. Januar 2005,
Familienbildungsstätte in Waiblingen; 3./4. Februar 2005 in einer
Hebammenpraxis in Kassel; 7./8. April 2005 an der Familienbildungsstätte in
Waiblingen.
Ansprechpartner:
Professor Dr. med. Manfred Cierpka
Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung
und Familientherapie am Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: Manfred_Cierpka@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 0 62 21 / 56 47 01 (Sekretariat)
Dr. phil. Angelika Gregor (Dipl.-Psych.)
Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung
und Familientherapie am Universitätsklinikums Heidelberg
E-Mail: Angelika_Gregor@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 0 62 21 / 56 47 16