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info@elternkompetenz.de  Joachim Lask
Drosselweg 18
64367 Mühltal
Tel: +49 (06151) 913020

 

Sexualverhalten deutscher Jugendlicher

1000mal berührt... über Küssen, Zärtlichkeiten, Berühren, 
Selbstbefriedigung und gleichgeschlechtliche Kontakte 
unter Jugendlichen

Einleitung

„Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert...“ heißt ein berühmter Hit der Klaus-Lage-Band. In diesem Bericht geht es mehr um Berührungen („Tausendmal berührt“), z.B. Zärtlichkeiten, Küssen, Petting, Selbstbefriedigung und gleichgeschlechtliche Kontakte, aber nicht um Geschlechtsverkehr („nichts passiert“) unter Jugendlichen. 

Schmusen, Küssen und Streicheln sind für jeden Menschen in jeder Lebensphase wichtig. Der Austausch von Zärtlichkeiten beruhigt, entspannt, tröstet, fördert das Wohlbefinden und die Gesundheit. Während Kinder mit ihren Eltern, Geschwistern, Freunden/-innen oder anderen Personen aus Bedürfnis nach sozialem Kontakt und körperlicher Nähe schmusen, beinhalten die Zärtlichkeiten unter Jugendlichen zusätzlich einen sexuellen Impuls. Durch Schmusen, Küssen und Berühren lernen sie ihren Körper und den ihres Partners/ihrer Partnerin kennen, sie können Gefühle ausdrücken und sich sehr nahe sein. In Gesellschaften, in denen der Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht selbstverständlich ist, sind Zärtlichkeiten und Petting für ein unverheiratetes Paar die einzige Möglichkeit der sexuellen Annäherung. Ebenso auch bei Erwachsenen, die Geschlechtsverkehr haben, spielen Zärtlichkeiten eine große Rolle – oftmals eine größere als der Geschlechtsverkehr. Schmusen und Streicheln gehören nicht nur fest zum Liebesakt selbst, sondern sind eine Form des Ausdrucks von liebevollen Gefühlen in jeder Alltagssituation. Sie nehmen damit einen größeren Raum im Sexualleben der meisten Menschen ein als der Geschlechtsverkehr.

Im folgenden wird beschrieben, wie viele Jugendliche Erfahrungen mit verschiedenen sexuellen Verhaltensweisen (außer Geschlechtsverkehr) haben, wie sie dazu eingestellt sind und was ihnen in ihrem Sexualleben wichtig ist.

 

 

Bedeutung verschiedener sexueller Verhaltensweisen       

Zärtlichkeiten, Schmusen und Küssen werden von Jugendlichen als weitaus wichtiger in ihrem Sexualleben eingeschätzt als Petting, Geschlechtsverkehr oder Selbstbefriedigung. Diese Sichtweise ist nicht nur unter Jugendlichen verbreitet, sondern in der gesamten Bevölkerung. Es gibt jedoch einige Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und zwischen Jugendlichen verschiedenen Alters. Für Mädchen sind Zärtlichkeiten noch wichtiger als für Jungen. Diese messen hingegen dem Geschlechtsverkehr und der Selbstbefriedigung größere Bedeutung bei als Mädchen. Für 14-Jährige (vor allem für Jungen) ist Selbstbefriedigung neben den Zärtlichkeiten mit Abstand die wichtigste sexuelle Verhaltensweise. Für 15-Jährige ist Schmusen und Küssen, aber auch Petting eher von Bedeutung. 16-Jährigen ist Genitalpetting vergleichsweise am wichtigsten. 17-Jährige ist der Geschlechtsverkehr wichtiger als jüngeren. Insgesamt nimmt die Bedeutung des Geschlechtsverkehrs mit zunehmendem Alter zu und die Bedeutung der Selbstbefriedigung ab. Petting ist für 15- und 16-Jährige wichtiger als für jüngere Befragte, wohingegen es für ältere Jugendliche weniger wichtig ist.

 

 

Erfahrungen mit Schmusen und Küssen 

Etwa ein Viertel der 14- bis 17-jährigen Jugendlichen hat noch nie einen Jungen bzw. ein Mädchen geküßt und mit ihm/ihr geschmust. Als häufigster Grund wurde genannt, daß den Jugendlichen bisher der richtige Junge/das richtige Mädchen fehlte. Viele Jungen halten sich selbst für zu schüchtern und haben Angst, sich ungeschickt anzustellen. Ein Teil der Mädchen hält sich ebenfalls für zu schüchtern und für zu jung. Aber auch andere Gründe wie fehlendes Interesse oder Angst, daß die Eltern es erfahren könnten, tragen dazu bei, daß ein Teil der befragten Jugendlichen noch keinerlei Erfahrungen mit Schmusen und Küssen gesammelt hat.

76,9% der 14- bis 17-jährigen Jungen haben schon einmal ein Mädchen und 77,9% der Mädchen haben schon einmal einen Jungen geküßt und mit ihm/ihr geschmust. Beim ersten Kuß waren die Jungen im Durchschnitt 12,8 Jahre und die Mädchen 13,0 Jahre alt.

Zum Ablösungsprozeß von den Eltern gehört es dazu, daß Jugendliche sich den elterlichen Berührungen und Zärtlichkeiten, die sie als Kinder noch gerne hatten, nach und nach entziehen. So verwundert es auch nicht, daß nur knapp die Hälfte der befragten Jugendlichen körperliche Berührungen mit Familienangehörigen und Bekannten schätzt. Mädchen in der Pubertät lassen sich noch eher von Familienangehörigen und Freunden gerne berühren als Jungen. 84,1% der Jugendlichen wollen vor allem vom festen Freund/von der festen Freundin berührt werden. In dieser Abwendung vom Personenkreis der Kindheit und der Zuwendung zu einem Sexualpartner/ einer Sexualpartnerin zeigt sich deutlich, wie sich Charakter und Bedeutung von körperlichen Berührungen in der Pubertät verändern.

 

Erfahrungen mit Petting      

Fast drei Viertel der Jugendlichen mit ersten sexuellen Erfahrungen hatten ihren Freund/ihre Freundin schon geküßt. Etwas mehr als die Hälfte hatte Erfahrungen mit Brustpetting und über ein Drittel mit Genitalpetting.

Von den Jugendlichen mit Pettingerfahrungen hatte etwa ein Drittel 2- bis 10mal und etwa die Hälfte schon mehr als 10mal Petting gehabt. Knapp die Hälfte der Jungen und über die Hälfte der Mädchen hatten Petting mit einem Partner/einer Partnerin, aber keinen Geschlechtsverkehr. Ein Viertel der Jungen und ein Fünftel der Mädchen hatten mit zwei Partnern/-innen, und 15% der Jungen und 9,1% der Mädchen hatten mit drei und mehr Partnern/-innen Petting ausgeführt, ohne daß es dabei zum Geschlechtsverkehr kam.

 

Erfahrungen mit Selbstbefriedigung       

76,4% der 14- bis 17-jährigen Jugendlichen halten Selbstbefriedigung nicht für eine Ersatzhandlung, sondern für eine eigenständige sexuelle Verhaltensweise. Mädchen (80,0%) meinen dies eher als Jungen (72,7%). Jugendliche haben damit eine etwas progressivere Haltung zur Selbstbefriedigung als Erwachsene. Von den älteren Befragten waren nur 63,2% der 50- bis 59-Jährigen und 54,3% der über 60-Jährigen der Meinung, daß Selbstbefriedigung eine eigenständige Form der Sexualität ist, die vom einzelnen lustvoll erlebt werden kann.

 

 

 

Von den befragten Jugendlichen haben sich 25,1% der Jungen und 54,6% der Mädchen noch nie selbst befriedigt. Bei der ersten Selbstbefriedigung waren die Jugendlichen durchschnittlich 13 Jahre alt. Einige wenige Jungen und Mädchen begannen mit Selbstbefriedigung im Alter von 6 Jahren. Etwa ein Drittel der befragten Jugendlichen hatte seine ersten Erfahrungen mit Selbstbefriedigung vor dem 13. Lebensjahr gesammelt. Knapp ein Drittel hat bei der Selbstbefriedigung manchmal ein schlechtes Gewissen, zwei Drittel spüren hingegen keine Gewissensbisse.

 

 

Gleichgeschlechtliche Kontakte    

Von Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Kontakten berichten nur 6,0% der Jungen und 6,1% der Mädchen. Die meisten dieser Jungen erlebten die gleichgeschlechtlichen Kontakte im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die Mädchen im Alter von 14 Jahren.

Bis zum Alter von 10 Jahren hatten 12,5% dieser Jungen und 20,0% dieser Mädchen gleichgeschlechtliche Kontakte erlebt. Bis zum Alter von 13 Jahren waren es 56,8% der Jungen und 50,6% der Mädchen. Die andere Hälfte dieser Jugendlichen machten ihre gleichgeschlechtlichen Erfahrungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren (siehe Grafik).

 

Bei der  Suche nach der sexuellen Identität mögen Neugier und Gelegenheit  eine Rolle spielen, denn bei Freizeitaktivitäten und in Cliquen kommen sich gleichgeschlechtliche Jugendliche, die noch wenig Erfahrung im Umgang mit dem anderen Geschlecht haben, eher näher als Jugendliche verschiedenen Geschlechts. 

Ob homo-, bi- oder heterosexuell – Jugendliche stehen der Homosexualität offener gegenüber als Erwachsene. Während über drei Viertel der Jugendlichen der Auffassung sind, daß Homosexualität zunehmend gesellschaftlich toleriert wird, teilen nur knapp zwei Drittel der Erwachsenen diese Meinung. Unter den Erwachsenen sinkt die Toleranz von Homosexualität mit zunehmendem Alter.

 

Obwohl nur 6% der Jugendlichen über gleichgeschlechtliche Erfahrungen berichteten, mag die Anzahl der Homo- oder Bisexuellen unter ihnen höher sein. Von der Mehrheit der heterosexuellen Jugendlichen wird diese Form der Sexualität akzeptiert. Dies läßt die Prognose zu, daß die Gesellschaft der Zukunft weniger Vorbehalte gegenüber Homosexualität hat.

 

Quelle: 
Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik, Universität Landau, August-Croissant-Str. 5, 76829 Landau (http://fss.uni-landau.de)
Tel.: 06341/ 990-162
E-mail: fsus@uni-landau.de
Kluge, N. (1998). Sexualverhalten Jugendlicher heute. Weinheim: Juventa
Kluge, N. und Sonnenmoser, M. (2000). Sexualleben der Deutschen. Forschungsbericht
 
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letzte Aktualisierung am 02.08.07
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